Die Großen Arkana sind 22 Tarotkarten. In der Rider-Waite-Smith-Reihenfolge reichen sie vom Narren (0) bis zur Welt (XXI, 21). Deshalb bedeutet „22 Arkana“ die Anzahl der Karten, nicht die Existenz einer Karte XXII in dieser Folge. Die folgende Liste folgt diesem System und fasst symbolische Bedeutungen zusammen, die beim Legesystem verwendet werden; es handelt sich nicht um bewiesene Vorhersagen.
Was sind die Großen Arkana?
Das Wort „Arkanum“ stammt aus dem Lateinischen arcanum, was Geheimnis oder Mysterium bedeutet. Die Großen Arkana sind die 22 Karten, die von 0 bis 21 nummeriert sind und die großen Themen der menschlichen Erfahrung darstellen: Geburt, Tod, Liebe, Macht, Transformation, Weisheit.
Während die Kleinen Arkana (die übrigen 56 Karten) alltägliche Situationen behandeln, sprechen die Großen von tiefen Kräften: jenen, die formen, wer wir sind und wohin wir gehen.
Die Folge der 22 Arkana wird oft „Die Reise des Narren“ (The Fool’s Journey) genannt, weil sie mit dem Narren (Karte 0) beginnt und mit der Welt (Karte 21) endet. Sie ist eine Metapher für die Reise jedes Menschen.

Die 22 Großen Arkana in der Reihenfolge
| Nummer | Karte |
|---|---|
| 0 | Der Narr |
| 1 | Der Magier |
| 2 | Die Hohepriesterin |
| 3 | Die Kaiserin |
| 4 | Der Kaiser |
| 5 | Der Hierophant |
| 6 | Die Liebenden |
| 7 | Der Wagen |
| 8 | Die Kraft |
| 9 | Der Eremit |
| 10 | Das Rad des Schicksals |
| 11 | Die Gerechtigkeit |
| 12 | Der Gehängte |
| 13 | Der Tod |
| 14 | Die Mäßigkeit |
| 15 | Der Teufel |
| 16 | Der Turm |
| 17 | Der Stern |
| 18 | Der Mond |
| 19 | Die Sonne |
| 20 | Das Gericht |
| 21 | Die Welt |
Was ist Arkanum 22?
In der hier verwendeten Nummerierung gibt es kein XXII: Es sind 22 Karten, weil die Zählung bei null beginnt. Die Welt ist XXI; der Narr ist 0. Wenn eine Berechnung oder ein Deck „22“ anzeigt, prüfe die Konvention dieses Systems, bevor du eine Karte zuordnest. Verwechsle nicht die Anzahl der Karten mit der aufgedruckten Nummer.
Warum erscheinen Kraft und Gerechtigkeit vertauscht?
In diesem Leitfaden ist die Kraft VIII und die Gerechtigkeit XI. Andere Decks verwenden die umgekehrte Reihenfolge. A. E. Waite erklärt den Tausch in The Pictorial Key to the Tarot, Kapitel zur Kraft. Bestätige das Deck, das du studierst.
Die 22 Karten und ihre Bedeutungen
0: Der Narr (The Fool)
Der Narr ist der Anfang von allem. Er steht für den Sprung ins Ungewisse, Unschuld, unbegrenztes Potenzial. Er steht kurz davor, in das Unbekannte aufzubrechen: ohne Angst, ohne Gepäck, mit einem fast naiven Vertrauen in das Universum.
In einer Legung: Neue Anfänge, Spontanität, kalkuliertes Risiko. Kann eine Einladung sein, die Kontrolle loszulassen und dem Prozess zu vertrauen. Umgekehrt: Leichtsinn, übereilte Entscheidungen, Angst vor Risiken.
I: Der Magier (The Magician)
Der Magier hat alle Elemente zu seiner Verfügung: Feuer, Wasser, Erde und Luft: und weiß, sie zu nutzen. Er steht für die Fähigkeit zu manifestieren, Absicht in Handlung zu verwandeln. Er ist die Karte des „Ich schaffe das“.
In einer Legung: Manifestation, Geschick, persönliche Macht, verfügbare Ressourcen. Umgekehrt: Manipulation, verschwendete Talente, Illusion.
II: Die Hohepriesterin (The High Priestess)
Die Hohepriesterin sitzt zwischen zwei Säulen: dem Bekannten und dem Unbekannten. Sie ist die Hüterin der Intuition, der Mysterien und des verborgenen Wissens. Wo der Magier handelt, beobachtet und fühlt die Hohepriesterin.
In einer Legung: Intuition, innere Weisheit, Geduld, Mysterium. Umgekehrt: Verborgene Geheimnisse, Abwesenheit der Intuition, zurückgehaltene Information.
III: Die Kaiserin (The Empress)
Fülle, Fruchtbarkeit und Schöpfung. Die Kaiserin ist die mütterliche Energie der Natur: alles, was sie berührt, blüht. Sie steht für Genuss, Sinnlichkeit und die Fähigkeit zu nähren.
In einer Legung: Kreativität im Fluss, Fülle, Projekte und symbolische Schöpfung, Verbindung zur Natur. Umgekehrt: Kreative Blockade, Abhängigkeit, Selbstvernachlässigung.
IV: Der Kaiser (The Emperor)
Struktur, Autorität und Stabilität. Der Kaiser baut Imperien: nicht mit roher Gewalt, sondern mit Disziplin und strategischer Vision. Er ist das Gegenstück zur Kaiserin: wo sie erschafft, organisiert er.
In einer Legung: Ordnung, Führung, Schutz, strukturierte Ambition. Umgekehrt: Starrheit, Tyrannei, übermäßige Kontrolle.
V: Der Papst (The Hierophant)
Der Papst steht für Tradition, Lehre und etablierte Glaubenssysteme. Er kann ein Mentor, eine Institution oder ein konventioneller spiritueller Weg sein. Es geht nicht immer um Religion: es geht darum, einem System zu folgen.
In einer Legung: Tradition, spirituelle Führung, Konformität, formales Lernen. Umgekehrt: Rebellion, Autorität in Frage stellen, Dogma.
VI: Die Liebenden (The Lovers)
Trotz des Namens geht es bei dieser Karte nicht immer um Romantik. Die Liebenden sprechen von Entscheidungen: besonders jenen, die definieren, wer wir sind. Es ist die Karte der Vereinigung, der Harmonie und der Ausrichtung zwischen Werten und Handlungen.
In einer Legung: Liebe, Harmonie, wichtige Entscheidungen, Ausrichtung der Werte. Umgekehrt: Disharmonie, schwierige Entscheidungen, Wertekonflikte.
VII: Der Wagen (The Chariot)
Sieg durch Willenskraft. Der Wagen bewegt sich trotz Hindernissen voran und lenkt gegensätzliche Kräfte in dieselbe Richtung. Es ist die Karte der Entschlossenheit und des persönlichen Triumphs.
In einer Legung: Entschlossenheit, Fortschritt, Kontrolle, Sieg. Umgekehrt: Fehlende Richtung, Aggressivität, Niederlage.
VIII: Die Kraft (Strength)
Es ist keine körperliche Kraft: es ist die innere Kraft. Die Karte zeigt typischerweise eine Frau, die den Mund eines Löwen mit Sanftmut öffnet, nicht mit Gewalt. Sie steht für stillen Mut, Geduld und die Beherrschung der Emotionen.
In einer Legung: Innerer Mut, Mitgefühl, Geduld, Selbstbeherrschung. Umgekehrt: Unsicherheit, Schwäche, Selbstzweifel.
IX: Der Eremit (The Hermit)
Der Eremit zieht sich vom Lärm zurück, um seine Wahrheit zu finden. Mit der Laterne in der Hand beleuchtet er den Weg: aber nur seinen eigenen. Es ist die Karte der Introspektion, der gewählten Einsamkeit und der Weisheit, die von innen kommt.
In einer Legung: Introspektion, innere Suche, notwendige Einsamkeit, innere Führung. Umgekehrt: Übermäßige Isolation, Weigerung, Hilfe anzunehmen.
X: Das Rad des Schicksals (Wheel of Fortune)
Alles ändert sich. Das Rad dreht sich immer: was oben ist, steigt ab, was unten ist, steigt auf. Es ist die Karte der Zyklen, des Schicksals und des Glücks. Es erinnert uns daran, dass nichts dauerhaft ist, weder das Gute noch das Schlechte.
In einer Legung: Veränderung, Zyklen, Glück, Wendepunkt. Umgekehrt: Pech, Widerstand gegen Veränderung, negativer Zyklus.
XI: Die Gerechtigkeit (Justice)
Ursache und Wirkung. Die Gerechtigkeit wiegt jede Handlung auf ihrer Waage und gibt genau das zurück, was verdient ist. Es ist keine Rache: es ist Ausgleich. Sie kann rechtliche Fragen anzeigen oder einfach die Notwendigkeit, ehrlich zu sich selbst zu sein.
In einer Legung: Ausgleich, Wahrheit, Konsequenzen, gerechte Entscheidung. Umgekehrt: Ungerechtigkeit, Unehrlichkeit, Verantwortungslosigkeit.

XII: Der Gehängte (The Hanged Man)
Paradoxerweise ist der Gehängte nicht gefangen: er sieht die Welt aus einer anderen Perspektive. Es ist die Karte der freiwilligen Pause, des Opfers, das Erleuchtung bringt, und der Hingabe, die befreit.
In einer Legung: Neue Perspektive, notwendige Pause, Opfer, Hingabe. Umgekehrt: Stagnation, Widerstand, sinnloses Opfer.
XIII: Der Tod (Death)
In dieser symbolischen Lesart dient die Karte nicht dazu, einen Tod vorherzusagen. Sie stellt das Ende von etwas und den Anfang von etwas anderem dar. Radikale Transformation, Abschluss eines Zyklus, Wiedergeburt. Sie ist eine der am meisten missverstandenen Karten und tatsächlich eine der befreiendsten.
In einer Legung: Transformation, Ende eines Zyklus, Wiedergeburt, unvermeidliche Veränderung. Umgekehrt: Widerstand gegen Veränderung, Angst vor dem Unbekannten, Stagnation.
XIV: Die Mäßigkeit (Temperance)
Gleichgewicht, Mäßigung und Geduld. Die Mäßigkeit mischt gegensätzliche Elemente mit Sorgfalt: Es ist die Kunst, die Mitte zu finden. Nach der Intensität des Todes bringt diese Karte Ruhe und Heilung.
In einer Legung: Gleichgewicht, Geduld, Harmonie, Heilung. Umgekehrt: Exzess, Ungeduld, Ungleichgewicht.
XV: Der Teufel (The Devil)
Eine weitere missverstandene Karte. Der Teufel geht nicht um „Böses“: Er geht um die Ketten, die wir wählen zu tragen. Süchte, destruktive Muster, toxische Beziehungen, Materialismus. Die gute Nachricht? Die Ketten sind lose. Du kannst gehen, wann du willst.
In einer Legung: Süchte, negative Muster, Materialismus, Schatten. Umgekehrt: Befreiung, Muster brechen, Bewusstsein.
XVI: Der Turm (The Tower)
Plötzliche Zerstörung. Der Turm stürzt, die Illusionen brechen zusammen, und was nicht solide war, verschwindet. Es ist unangenehm, ja: aber notwendig. Nur wenn falsche Strukturen fallen, können wir etwas Wahres bauen.
In einer Legung: Krise, Offenbarung, plötzlicher Wandel, Zerstörung des Falschen. Umgekehrt: Angst vor Veränderung, verhinderte Katastrophe, Widerstand.
XVII: Der Stern (The Star)
Nach dem Sturm die Hoffnung. Der Stern ist die ruhigste Karte des Decks: Er bietet Inspiration, Heilung und einen erneuerten Glauben an die Zukunft. Er ist die Erinnerung daran, dass das Licht immer zurückkehrt, egal wie dunkel es ist.
In einer Legung: Hoffnung, Inspiration, Gelassenheit, Heilung. Umgekehrt: Hoffnungslosigkeit, Mangel an Glaube, Entfremdung.
XVIII: Der Mond (The Moon)
Der Mond erleuchtet, aber er täuscht auch. Diese Karte spricht von Illusionen, unbewussten Ängsten und dem Graubereich, in dem nichts ist, was es scheint. Sie kann Angst, Verwirrung oder die Notwendigkeit anzeigen, innere Schatten zu konfrontieren.
In einer Legung: Illusion, Intuition, Ängste, Unbewusstes. Umgekehrt: Klarheit naht, Befreiung von Ängsten, Wahrheit enthüllt.
XIX: Die Sonne (The Sun)
Reine Freude, Erfolg und Vitalität. Die Sonne ist eine der positivsten Karten des Decks: Sie bringt Klarheit, Vertrauen und eine Energie, die alles um sich herum erwärmt. Wenn du Zweifel hast, sagt die Sonne: Es wird gut gehen.
In einer Legung: Freude, Erfolg, Klarheit, Vitalität, Optimismus. Umgekehrt: Vorübergehende Freude, übermäßiger Optimismus, Ego.
XX: Das Gericht (Judgement)
Ein Ruf. Das Gericht bittet dich, zurückzublicken, den zurückgelegten Weg zu bewerten und eine endgültige Entscheidung zu treffen. Es ist die Karte des Erwachens, der Erlösung und der Antwort auf deinen höheren Zweck.
In einer Legung: Erwachen, Ruf, Bewertung, spirituelle Wiedergeburt. Umgekehrt: Selbstkritik, Verweigerung des Rufs, Reue.
XXI: Die Welt (The World)
Das Ende der Reise: zumindest dieser. Die Welt steht für Vollendung, Integration und Verwirklichung. Du hast es geschafft. Du hast gelernt. Und jetzt, mit all dieser Weisheit, kannst du einen neuen Zyklus beginnen.
In einer Legung: Vollendung, Integration, Erfolg, Verwirklichung. Umgekehrt: Gefühl der Unvollständigkeit, Verzögerungen, fehlender Abschluss.
Wie man die Großen Arkana in Legungen nutzt
Wenn ein Großes Arkanum in einer Legung erscheint, achte darauf. Es sind Karten von Gewicht: Sie deuten auf wichtige Kräfte hin, die in deinem Leben wirken.
Einige praktische Tipps:
- Viele Große Arkana in einer Legung: Du durchlebst eine Phase signifikanter Transformation. Die wirkenden Kräfte sind größer als alltägliche Situationen.
- Wenige oder keine: Die Situation ist praktischer und weltlicher. Die Antworten liegen in den kleinen Handlungen des Alltags.
- Die Position ist wichtig: Dasselbe Arkanum ändert seine Bedeutung je nach Position in der Legung (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Rat, etc.).
Wenn du anfängst, probiere einfache Legungen: eine Karte pro Tag, morgens, mit der Frage „Welche Energie begleitet mich heute?“. Das ist der beste Weg, Vertrautheit mit dem Deck aufzubauen.
Die Reise des Narren: Der rote Faden
Wenn du die 22 Großen Arkana als eine sequenzielle Geschichte liest, findest du eine universelle Erzählung:
Der Narr (0) bricht zum Abenteuer auf. Er trifft den Magier und die Hohepriesterin (lernen zu handeln und zu fühlen), die Kaiserin und den Kaiser (schaffen und strukturieren), den Hierophanten (Traditionen folgen) und die Liebenden (Entscheidungen treffen). Mit dem Wagen schreitet er voran, mit der Kraft lernt er, sich selbst zu beherrschen. Der Eremit lädt ihn zur Reflexion ein, bevor das Rad alles verändert.
In der zweiten Hälfte fordert die Gerechtigkeit Verantwortung, der Gehängte fordert Hingabe, der Tod bringt Transformation. Nach dem Sturm des Turms heilt der Stern, der Mond konfrontiert Ängste und die Sonne bringt Klarheit. Das Gericht erweckt und schließlich vollendet die Welt den Zyklus.
Es ist die Geschichte eines jeden von uns: unzählige Male wiederholt, in unterschiedlichen Maßstäben und Lebensphasen.
Tarot und Numerologie: Verborgene Verbindungen
Jedes Große Arkanum hat eine Zahl, und diese Zahl trägt dieselbe Bedeutung wie in der Numerologie. Der Magier (1) teilt die Führungsenergie der Zahl 1. Die Hohepriesterin (2) schwingt mit der Dualität und Intuition der 2. Die Kaiserin (3) ist die Kreativität der 3.
Wenn du bereits deine Ausdruckszahl oder Lebenszahlkennst, versuche, das entsprechende Große Arkanum zu finden. Es kann dir eine zusätzliche Bedeutungsebene offenbaren.
Wie du Tarot weiter lernen kannst
Vergleiche diese 22 Arkana mit den 56 Kleinen Arkana und übe mit dem Tarot-Leitfaden für Anfänger. Beim Aufzeichnen einer Legung notiere das Deck, die Position der Karte und die gewählte Deutung. Verwende keine Karte, um Schwangerschaft, Krankheit oder Todesgefahr zu diagnostizieren.
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